Begegnungen zwischen Mensch und Bullterrier

Allzu oft erlebe ich als Bulli-Halter Dinge, die mir entweder die Zornes- oder die Schamesröte für Fremdschämen ins Gesicht treiben. Aber egal aus welchem Grund mein Gesicht einen Rotton auch annimmt, es dreht sich in 98,87% der Fälle um den Bullterrier, denn Otti finden alle niedlich.

neßmersiel_02Ich hatte mich damit abgefunden, dass Erklärungen meinerseits vollkommen witzlos sind; vorgefasste Meinungen kann ich nicht ändern – dachte ich zumindest bis zu diesem Urlaub, denn ich durfte so viele neue, positive Erfahrungen sammeln.

Da war das kleine Mädchen in der Füßgängerzone in Aurich, das im Vorbeilaufen ihre Mutter anstrahlt und sagt, dass der weiße Hund aussieht wie ein Schweinchen. Als ich den beiden grinsend hinterherrufe, dass das gemein ist, kommen sie lachend zurück. Das Mädchen streichelt Diesel ausgiebig und Mama fragt mich, was das eigentlich für eine Rasse ist?

Da waren die vier Kids auf der Strandpromenade in Wilhemshaven, die auf uns zukommen und fragen, ob sie Diesel streicheln dürfen. Hier war es einfach Begeisterung zu wecken, denn deren durchtätowierte Eltern im Harley-Look waren selbst mal Bulli-Halter. Dennoch waren die erstaunten Blicke zahlreicher Passanten unbezahlbar.

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Da waren die beiden Verkäufer im Runners Point Wilhemshaven, die beide Angst vor Hunden im Allgemeinen und vor bösen Kampfhunden im Besonderen hatten. Während es mir meine feminine Seite schwer machte, mich zwischen diversen Paar Schuhen zu entscheiden, nutzte Diesel die Zeit, einen der beiden mit Bullterrier-Freundlichkeit bekannt zu machen. Denn jedes Mal wenn der sich hinhockte, um mir einen neuen Karton zu öffnen, drückte Diesel dem schwanzwedelnd den Kopf in den Körper, um eine Streicheleinheit zu ergattern. Der andere bestaunte zwar in angemessenem Abstand die Szenerie, war aber begeistert, da er bisher dachte, alle Bullis seien Bestien.

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Da war das Ehepaar auf der Sail in Bremerhaven, das vollkommen fasziniert davon war, dass ein Bulli trotz dieser Menschenmassen so entspannt auch an einer Fritten-Bude liegen kann. Und als ich Diesel dann mit Futter belohne,  der mit Leidenschaft an mein Bein rutscht und mir in die Augen schaut, ist es um die Frau geschehen … „So einen will ich auch“ – ihr Gatte strahlt und leistet keinen Widerstand.

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Da waren die sensationell entspannten Labbi-Halter, nachdem Diesel und Labbi sich wegen eines alten Balls auf dem Hundeplatz ins Fetzen kriegen – zum Glück kein echter Kampf, aber zumindest massivste Drohungen beiderseits mit Gebelle, Geknurre und 84 gezeigten Zähnen. Aber keine Vorwürfe, dass der ach so gefährliche Kampfhund ihren kleinen Liebling angegriffen hätte, sondern totale Gelassenheit, weil wir alle den kurzen Zeitpunkt verpasst hatten, den Ball rechtzeitig aus dem Spiel zu nehmen. Kommentar: „So etwas passiert eben mal, sind doch Hunde“. Der einzige, der dabei verletzt wurde war ich, denn als ich dazwischenging, erwischte Diesel meinen Finger.

Die Krone setzte dem Ganzen aber ein Mittelalterfest auf dem Schlossplatz in Dornum auf. Beim Schlendern über den Markt komme ich mit vier Frauen in mittelalterlicher Kleidung ins Gespräch, die alle Diesel knuddeln. Wir unterhalten uns über den Bullterrier als Rasse und Diesels besondere Aufgabe als Besuchshund. Was ich nicht mitbekomme, sind die zahlreichen Besucher die sich unbemerkt hinter mir versammeln und das Gespräch verfolgen. Als ich mich fünf Minuten später aufmachen will, streiten sich die Leute fast darum, Diesel auch streicheln zu können. Und so darf ich fremden Menschen den Bullterrier näherbringen und zahlreiche Fragen beantworten. Noch schöner kann Aufklärung nicht funktionieren.

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An dieser Stelle vielen Dank an die Damen von Fogelvrei, die durch ihre Freundlichkeit und Offenheit Diesel gegenüber wesentlichen Anteil daran haben, dass etliche Menschen nun ein wenig anders auf Bullterrier schauen.

Nach solchen Erlebnissen fallen die  üblichen dummen Kommentare während eines zweiwöchigen Urlaubs einfach nicht ins Gewicht, z. Bsp.
Rentner: „Wenn der zubeißt, ist der Arm ab“
Ich: „Keine Sorge, der frisst kein Gammelfleisch“

Ansonsten scheint die Nordsee rund um die ostfriesischen Inseln eine Gegend zu sein, in der sich Windräder zum Sterben zurückziehen.

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6 Gedanken zu „Begegnungen zwischen Mensch und Bullterrier“

  1. Ach Micha, Ihr seid eben ein unschlagbare Team, du und deine 4-beiner. Wie schon so oft gesagt, lass dich nicht durch das Halbwissen/Unwissen der anderen verschrecken. Wie du siehst geht’s auch anders und nicht jeder ist unbelehrbar.
    Schön zu sehen, das der Urlaub nicht nur dir und deiner Familie etwas gebracht haben

    liebe Grüße von Sven, Sam und Jule

  2. Super geschrieben 🙂

    Ich als ehemaliger Bullyhalter,versuche meine Lebensgefährtin seit längerem davon zu überzeugen, daß der Bully ein Klasse Hund und ein prima Familienmitglied ist.
    Leider mag sie die Optik nicht.
    Aber JEDER Bullyhalter den ich anspreche , ist nett,höflich und unterstützt mich,in meinem Bestreben, uns einen Bully in die Familie zu holen.
    Das kann man nicht immer von anderen Hundehaltern sagen.

    1. Hallo Marco,

      dann lass deine Freundin doch einfach mal ein wenig auf dieser Website lesen, sie ändert ihre Meinung mit Sicherheit 😀

      Klar, Optik ist Geschmackssache, aber gerade beim Hund ist die ja allzu häufig ein Grund für Missverständnisse. Ich habe letztens eine älteres Ehepaar kennengelernt, das sich einen Parson-Russel-Terrier wegen des tollen Aussehens angeschafft hat. Leider haben die dabei vergessen, dass das ein hochenergetischer Jagdhund ist. Nun werden sich alle nicht wirklich gerecht.

      Auch beim Bulli gibt es solche und solche, man kann einen eher ruhigen Vertreter wie Diesel erwischen, aber auch da gibt es Duracell-Hunde 😉

      Du wirst das schon schaffen!!! 😀

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