Cora die Pummelfee

Ich habe mir im Laufe des Tages zum wiederholten Male die vielen Cora Bilder auf der Website des Tierschutzvereins angesehen. Eine dem Begleittext nach zutrauliche Hundedame mit einer Körpergröße bis knapp an das Knie. Sie sieht vertrauenserweckend aus, wenn auch aufgrund mangelnder Bewegung etwas übergewichtig. Naja, ziemlich übergewichtig. Aber Bewegung wird die genug bekommen, wenn sie neben dem Rad laufen kann. Da sind ein paar momentane überschüssige Pfunde kein Problem. Hoffentlich interpretiert der Hund den Befehl „Platz“ nicht falsch, sonst gibt das eine riesige Sauerei. Am vereinbarten Treffpunkt nimmt man uns am späten Nachmittag in Empfang, wir müssen zu einem abgelegenen Gehöft irgendwo im Nirgendwo weiterfahren, um Cora zu treffen.

Weitere zehn Minuten später treffen wir endlich ein und mich der Schlag. War da nicht die Rede von einem kleinen Rottweiler-Mix? Ich kenne reinrassige Rottweiler und dieser da unterscheidet sich zuzüglich diverser überflüssiger Kilos um die ausladenden Hüften in nichts von denen. Mich erwartet ein Hund so groß wie ein Pony. Mit diesem Ungetüm soll meine Elfjährige irgendwann allein Gassi gehen? Wohl eher nicht. Das bestätigt sich einige Minuten später, als Kira den Hund das erste Mal an der Schleppleine führt, beziehungsweise dieser die Richtung vorgibt und Kira – verzweifelt bemüht auf den Beinen zu bleiben – ruckartig hinterher stolpert. Nee nee, das wird nichts. Es spielt keine Rolle, wie umgänglich, folgsam oder zutraulich dieser Hund jetzt an Roberts Schleppleine ist. Entscheidend sind später unkontrollierbare Situationen mit Menschen, anderen Hunden, Joggern, Radfahrern, Autos, Bussen und Flugzeugen.

Eine schier unendliche Liste an Ereignissen mit katastrophalem Ausgang spult sich vor meinem geistigen Auge ab, bis hin zur völligen Auslöschung meines Wohnortes in einem flammenden Inferno. Und nicht mal ich traue mir zu, diese knapp dreiundfünfzig Kilo lebendigen Hund zu halten, ohne einen Anker zu werfen und die Leine schnellstmöglich um eine Laterne zu wickeln. Tut mir leid Cora, aber das passt nicht – und du nicht in mein Auto.*

Ausführliche Rückmeldung an Frau Freudenthal mit detaillierter Beschreibung meiner Sicht der Dinge. „Kein Problem, ich habe ja noch genug andere Hunde.“ Das Gespräch kommt wieder auf Otto und Gumel, die beiden Polen. Die dritte im Bunde, Diana, ist raus aus der Trommel. Die beiden Verbliebenen sollen am Freitag ihr Visum für Deutschland bekommen. Donnerstag Kastration, Freitag Einreise. Die armen Hunde, deren Klöten dürfen nicht mitkommen. Wir sollen uns Gumel dann am Wochenende in Ruhe anschauen. Als älterer und ruhiger Ersthund wäre der für uns ideal geeignet. Nun gut, der sieht zwar aus wie ein geplatztes Kissen, bei dem die rosafarbene Füllung mit Macht in alle Richtungen ins Freie drängt, aber wenn der es sein soll, warum nicht? Von Otto wird uns abgeraten, weil in dem zu viel Terrier steckt und wir über keinerlei Erfahrung verfügen.

* Seit dem 06.08.2013 ist Cora vermittelt. Seit Mitte Juli auf einer Pflegestelle untergebracht, hat sich jetzt der neue Besitzer entschieden, Cora endgültig zu behalten. 🙂

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