„Da ist eindeutig Yorki drin …“

Zu den eher unerfreulichen Begleiterscheinungen des täglichen Gassigehens gehören Begegnungen mit Hundebesitzern, die ungefragt ihr Fachwissen zu Hunderassen kundtun, sobald sie Otti in die Augen geblickt haben und sich ob dessen ist-der-aber-niedlich-Faktors ihrem Schmelzpunkt nähern. Die Bestimmung von Ottis Rassezugehörigkeit ist eines dieser von mir nicht erfragten, aber dennoch vom Gegenüber gerne unaufgefordert angesprochenen Themen. Allerdings ist Rassebestimmung bei Otti in etwa so sinnvoll wie Kaffeesatzlesen oder Traumdeutung. Dennoch ist sie unter Hundehaltern weit verbreitet. Genau 78,4% aller Begegnungen auf der gleichen Straßenseite werden von menschlicher Seite kommunikativ bestritten, davon schneiden dann noch 65,8% aller geführten Gespräche die Rasse an. Viele meinen nach dem ersten bis dritten Blick mindestens eine der Arten zu erkennen, deren Gene sich zu Otti zusammengefügt haben. Die ganz Mutigen erkennen sogar zwei oder mehr Rassen, benötigen dann jedoch auch mehr Blicke und zusätzliche Betrachtungswinkel und Perspektiven.

Je nach Tageslaune und Ottis Kompatibilität mit dem anderen Hund, dessen Halter Rassesatzlesen betreiben möchte, veranstalte ich inzwischen ein Quiz mit meinem Gegenüber. Ich führe Strichlisten. Unangefochten auf Platz 1 der Rassezugehörigkeitserkennungsdeutung liegt der Zwergschnauzer, knapp gefolgt vom Schnauzer. Unter den Top-10 der erkannten Rassen finden sich neben den genannten auch Marken wie Yorkshire, Rauhaardackel, Zwergspitz, Jack-Russel, Border, Jagdterrier, Foxterrier und Cairn.

Abgeschlagen auf den Plätzen folgen eher seltener genannte, erkannte oder gedeutete Rassen wie Australien, Parson Russell oder Scottish Terrier. Die wagemutigsten Deuter meinen sogar entfernte Ähnlichkeiten zum Pitbull – „… die gedrungene Form“ – , zum Schäferhund – „… nur eben etwas klein geraten “ – und zum Dobermann – „… die Fellfärbung  sagt doch alles“ – erkannt zu haben. Das alles ist bis hierhin höfliche Floskelei. Habe ich jedoch genug Zeit und will das Thema zuspitzen, stelle ich – jetzt ebenfalls ungefragt – die entscheidende Gegenfrage, auf welches erkennungsdienstliches Merkmal sich der soeben festgestellte Sachverhalt der Rassenzugehörigkeit denn stützt? Und ab jetzt habe ich manchmal Mühe, meinem Gesprächspartner gegenüber weiterhin ernst zu bleiben und ein gelegentliches „Aha!“ oder „Ja, das könnte durchaus sein“ entgegen zu bringen, ohne eine Miene zu verziehen. Aus der Gesamthundedeutung erfolgt ab meiner Gegenfrage die Aufteilung des Hundes in seine grundlegenden Bestandteile:

  • „Das ist Yorki, erkenne ich am runden Kopf.“
  • „Das ist Jack-Russel, erkenne ich am langen Kopf“
  • „Zwergspitz, der Schwanz ist doch eindeutig“
  • „Das Fell ist mit Sicherheit Rauhaardackel“

Und so reiht sich Rasse an Merkmal an Deutung an Feststellung. Ich befürchte, dass mich diese ewig gleiche Litanei verfolgt, so lange Otti an meiner Seite weilt. Es werden sich immer wieder Menschen finden, die „… und das weiß ich aber ganz genau, ich halte/züchte/erkenne/deute schließlich seit über 40 Jahren Hunde“ auf Anhieb erkennen, dass Otti zumindest ein Terrier ist. Ich denke ernsthaft über einen Gentest nach, um der Magie mit Fakten gegenüber treten zu können. Aber mit Sicherheit gibt es selbst dann noch Zweifler, die diese wissenschaftlichen Erkenntnisse mit einem Lächeln und einem Winken der rechten Hand wegwischen, weil „… da trotzdem eindeutig Yorkshire/Dogge/Pitbull drin ist“. Das erkenne man schließlich eindeutig am Kopf/dem Fell/den Beinen/den Ohren/dem Schwanz*

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4 Gedanken zu „„Da ist eindeutig Yorki drin …““

  1. Also meine langjährige Erfahrung sagt mir, dass etwa zur Hälfte Vater und zur anderen Hälfte Mutter drin ist. Sehr selten, wie bei meinem Hund, ist auch noch ein Maulwurf dabei, wie man unschwer an unserem Garten erkennen kann.:-)

  2. Ich habe mir erklären lassen, dass bei meinem Lastrami (Landstraßen-Mischung) mehr Vater als Mutter drin ist … man weiß nicht genau, wer der Vater, aber ganz genau, wer die Mutter ist 😉
    Maulwurf habe ich hier noch nicht entdeckt, ebenso wenig Fisch, Ente, Otter oder ähnliche Schwimmelemente. Bis zum Bauch ins Wasser, dann ist Schluss … kommt eindeutig aus einem Nichtschwimmer-Haushalt 🙂

  3. Hallo Micha, habe gerade mit viel Freude deine Geschichten gelesen, hinkte etwas hinterher. Es war wieder sehr erfrischend, wie du eure Erlebenisse zum Besten gibst. Super ist auch die Pitbull-Wallace Geschichte und damit mein Glaube, dass es viele gute Menschen gibt, euch ja eingeschlossen, die Liebe und Zeit aufbringen für diese Hunde.
    Also ein gute neues Jahr für dich und die Familie und weiterhin viele Erfolge :o))

    1. Hallo Juliana,

      danke für die Blumen 🙂

      Ich schreibe halt so, wie ich die Zeit finde und wie sich etwas ereignet oder mich etwas interessiert. Von daher kann man schon mal beim Lesen hinterherhinken oder feststellen, dass es im Moment nichts Neues gibt.
      Wir bemühen uns zumindest, Otti ein gutes Rudel zu sein 😉 Ich denke, dass uns das inzwischen gut gelingt. Der Hund macht immer mehr Spaß, lernt immer mehr und kann immer mehr. Von daher macht er uns das auch leicht.

      Dir und deinen Lieben ebenfalls ein erfolgreiches und vor allem gesundes Jahr 2014. 😀

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