Einschulung – ich kann zaubern!!!

Wir sind heute der einzige Neuzugang, das heißt Einzeltraining. Aber vorher erfolgt die unumgängliche Datenerfassung aller Beteiligten. Und zu unserem Glück zeigt Otti währenddessen die wenigen schlechten Manieren, die ihn auch sonst auszeichnen: Kläffen und Zerren an der Leine. Betty ist Profi und nach wenigen Minuten fällt sie ihr Urteil über Otti, das mit dem Satz abschließt „… und übrigens frisst dein Hund gerade meinen Stuhl.“ Siehe da, Otti knabbert vor Langeweile tatsächlich an meinem Stuhlbein, wer hätte das gedacht? Will er mich jetzt schon absägen?

Nachdem weitere Euros den Besitzer gewechselt haben, lerne ich, dass die Leine nicht nur am Hund hängt, damit der nicht wegläuft, sondern dass man den damit auch steuern kann. Praktisch eine Art analoge Fernbedienung.

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  • Erste Übung – Betty hält die Leine und jedes Mal, wenn Otti abgelenkt ist, erfolgt ein kurzes Zucken. Nach dem achten Mal hat Otti kapiert, dass es nicht zuckt, wenn er dann zu mir gelaufen kommt und sich eine Streicheleinheit – kein Leckerlie – abholt.
  • Zweite Übung – Mit dem Befehl „Fuß“ an meiner linken Seite bei lockerer, aber kurzer Leine laufen. Otti darf weder vorlaufen, noch zurückbleiben. Ist das der Fall, korrigiere ich mit einem kurzen Zupfen an der Leine. Nach jeweils zehn Schritten soll ich stehen bleiben und Otti soll sich von allein neben mir mit Körperkontakt hinsetzen. Das dauert eine Weile, aber dann hat er es ansatzweise verstanden, auch wenn ich ab und an unterstützend auf sein Hinterteil tippen muss. Macht er es gut, gibt es eine kleine Streicheleinheit.
  • Dritte Übung – Nach dem Sitzenbleiben mit dem Befehl „Sitz“ die Leine fallen lassen und weiter gehen. Bleibt Otti sitzen, nach fünf Metern umdrehen und stehen bleiben. Danach wieder zum Hund gehen, ihn umrunden und die Leine wieder aufnehmen. Nach dem Befehl „Fuß“ weiterlaufen. Bleibt Otti nicht sitzen, hingehen, ihn kommentarlos korrigieren und wieder weggehen. Das Wunder geschieht. Otti versteht die Übung fast auf Anhieb. Anschließend die gleiche Übung mit dem Befehl „Platz“. Ich lerne, Otti mit einem sanften Ziehen an der Leine und einem Tippen an die Schulter hinzulegen.
  • Letzte Übung – Mit Otti bei Fuß in Richtung seiner ausgebreiteten Decke laufen, ihn am ausgestreckten rechten Arm bei noch fünf Metern Abstand auf die Decke schicken und dann soll er „Platz“ machen. Das Wichtigste dabei: Er soll liegen bleiben, ohne wieder aufzustehen. Hätte man mir vor dem Training eine Wette angeboten, ob er das schafft, hätte ich jeden Betrag darauf verwettet, dass das niemals funktioniert. Ich hätte verloren!

Otti liegt noch immer, obwohl wir uns in gut dreißig Metern Entfernung unterhalten. Das ist pure Magie, ich bin ab sofort Harry! Nur kommen tut er nicht, wenn ich ihn rufe. Die Decke ist offensichtlich äußerst kuschelig. Also doch eher nur Ron statt Harry, aber immerhin.

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Das Wichtigste, was ich heute gelernt habe, ist folgendes: Du musst für deinen Hund der interessanteste Mensch der Welt sein! Nur so verhinderst du Ablenkung und nur so konzentriert er sich auf dich und nicht auf die spannende Fährte, den anderen Hund oder den Jogger. Und nur wenn du interessant genug bist, kommt dein Hund auch, wenn du ihn rufst! Otti liegt trotz rufen und locken weiter auf der Decke. Ich bin eindeutig langweilig.

Und noch einmal für alle Märchenerzähler von Horrorgeschichten und Legendenbilder zum Training bei Hundetrainer24 >>>: Ich verwende kein Würgehalsband – dies ist ohnehin verboten und führt zum sofortigen Ausschluss – und ich habe meinen Hund nicht seelisch gebrochen. Stattdessen habe ich heute zum ersten Mal erleben dürfen, wie man die Leine richtig zur Korrektur einsetzt, ohne dass mich mein Hund zukünftig von Laterne, zum Baum, zur Wiese und zum nächsten Baum zieht. Ich habe gelernt, wie wichtig Konsequenz ist und sie auch durchzusetzen. Durchhalten müssen wir diese jetzt täglich allein. Denn es liegt einzig nur an uns, wie schnell der Hund verinnerlicht, was er lernt. Dafür reicht es eben nicht, einmal in der Woche auf den Trainingsplatz zu gehen. Viele der oben aufgeführten Übungen sind ab sofort unser täglicher Begleiter auf jeder Gassirunde! Und auch für zu Hause habe ich schon eine Idee zum Thema „Decke“. Der Leitspruch der Hundeschule, „Hundeausbildung ist vor allem Halterausbildung“ bewahrheitet sich.

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Und apropos Trainingsplatz: Weil Otti über den Tierschutzverein vermittelt wurde, erhalten wir sogar 40, statt der sonst üblichen 30 Trainingsstunden. Mein Kind trainiert gratis, Stunden werden ihr nicht berechnet! Weiterhin dürfen wir täglich außerhalb der Trainingszeiten den Platz zur freien Verfügung nutzen. Sind andere Hundeschulen auch so fair?

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