Gedanken zum Tierschutz

An den Tierschutz hatte ich keinerlei Gedanken verschwendet. Tierschützer waren für mich Greenpeace-Aktivisten oder der WWF. Dass es aber auch zahlreiche kleine Tierschutzvereine gibt, die ihre Arbeit im Stillen und von der Öffentlichkeit unbemerkt machen, war mir aufgrund mangelnden Interesses egal.

Alles änderte sich mit Otti. Vermittelt über einen Tierschutzverein fand ich deren Arbeit interessant und ich begann mich dort zu engagieren. Dieser Verein unterstützt ein Tierheim in einem Nachbarland. Einmal im Monat gibt es eine Tour dorthin, um Futterspenden zu verteilen, die Hunde auszuführen und notfalls medizinisch zu versorgen. Notfälle werden mitgenommen, um sie hier zu vermitteln.

Es gibt jedoch unzählige Vereine, die Tiere aus dem Ausland holen. Ich begriff, dass offenbar nicht alle seriös arbeiten und dass der sogenannte Auslandstierschutz ein zweischneidiges Schwert ist. Denn einerseits sind hier die Tierheime voll und andererseits wird Hund um Hund nach Deutschland geholt.

Unzählige Tiere werden mit traurigen Bildern über Facebook angeboten wie „sauer Bier“, natürlich nicht ohne dramatisch zu beschreiben, wie schlecht es dem Hund geht, dass er vielleicht sogar in der Tötung sitzt, aber eigentlich ein ach „so lieber Hund“ ist. Die dazugehörigen rührseligen Kommentare von in der Mehrzahl Frauen tun ihr übriges. Von „armen Seelen“ oder „kleinen Schätzen“ ist da die Rede, emotional unterstrichen von Herzchen-Smileys oder solchen mit Tränchen. Welchen Charakter der Hund wirklich außerhalb des Zwingers hat, kann eigentlich niemand genau beschreiben, es spielt beim Geschäft mit dem Mitleid auch keine Rolle. Und so fließen Spenden zahlreich in unbekannte Quellen. In diesen Massen gehen dabei leider viel zu oft die Tiere unter, die ohne eigenes Verschulden in einem Tierheim landen, weil sich Lebensumstände von Haltern ändern und der Hund nun nicht mehr passt oder unerwünscht ist.

Seriös arbeitende Vereine leiden unter den Unseriösen, der an einem Hund Interessierte kann diese leider kaum voneinander unterscheiden. Aber man ist ja nicht gezwungen, sich am Social Media Wahn zu beteiligen, sondern verschafft sich vor Ort einen persönlichen Eindruck.

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Für mich stand fest, dass „unsere“ in letzter Zeit jüngeren Hunde korrekt vermittelt werden. Der neue Halter wird vollumfänglich über alle Stärken und Schwächen des Tiers informiert. Kein junger Hund wird abgegeben, bevor er nicht zahlreichen neuen Alltagssituationen ausgesetzt und in diesen erprobt wurde. Selbstverständlich ist das Urteil der Pflegestelle relevant und so findet sich auf der Website eine ehrliche und vollständige Beschreibung des Hundes. Leider ist dem nicht so.

Selbstverständlich sind die Hunde geimpft, gechipt und entwurmt (es sei denn, man hat vergessen, den Hund nach dem Chippen auch zu registrieren), aber das war es meistens auch schon. Der Hund wird geholt und geht so schnell wie möglich auf eine Pflegestelle. Ein tolles Angebot der Hundeschule, bei dem der Verein seine Hunde für kleines Geld hätte trainieren können und bei dem der zukünftige Halter dann obendrein 10 Trainingsstunden umsonst bekommen hätte, wurde nicht genutzt.

Nun muss nicht jeder Halter mit seinem Hund ähnliches veranstalten, wie ich dies mit Otti tue. Dennoch sollte auch hier über Grundlegendes nachgedacht werden. Denn durch mangelnde Erziehung geraten Hunde mehr und mehr in den Fokus des Gesetzgebers und die Bedingungen zur Hundehaltung werden immer restriktiver. Ist daher nicht gerade ein Tierschutzverein auch hier in der gesellschaftlichen Verantwortung, auf den zukünftigen Halter einzuwirken und im Zweifelsfall dann einen Hund nicht zu vermitteln? Niemand braucht noch einen pöbelnden Problemhund in der Nachbarschaft, dessen Halter weder Zeit noch Lust hat, eine Hundeschule zu besuchen.

Aber mit dieser Meinung stand ich offenbar ziemlich allein. Man konnte oder wollte mich nicht verstehen, weil ich ja erst wenige Monate Hundeerfahrung habe. Der gesunde Menschenverstand spielt beim überaus emotionalen Thema „Hund“ keine Rolle. Und deswegen trennen sich nun unsere Wege, da dies nicht das ist, was ich mir unter aktivem Tierschutz im Sinne von Hund UND Mensch vorgestellt habe. Es reicht mir nicht aus, einen Hund nur „zu retten“! Darauf hingewiesen erhielt ich neben Beleidigungen aus der untersten Schublade auch folgende Antwort:

< > „… man kann unmöglich immer den richtigen Hund für die richtigen Leute retten. Und unsere Geschichten sind nicht erlogen, sondern manchmal etwas verändert, damit auch Problemhunde Interessenten bekommen … „< >

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Das Problem wird also durchgereicht, statt es beim Namen zu nennen, es versucht wird, zu beheben und somit ehrlichen Tierschutz im Sinne von Mensch und Tier zu betreiben? Stattdessen werde ich darauf hingewiesen, welche Kosten pro Hund in der Pension auftreten. Das verursacht nur noch Kopfschütteln. Dann holt man eben einen jungen Hund weniger und bereitet andere erst einmal auf das Leben außerhalb des Zwingers vor! Aber das bedeutet Arbeit, die niemand leisten will. Der Hund ist auf einer Pflegestelle und damit „gerettet“.

Der Verein hat in den letzten zehn Jahren im Ausland großartige Arbeit geleistet, ein Tierheim aus dem Nichts errichtet und damit zahlreichen Hunden geholfen. Jeder einzelne Tierschützer verdient Respekt für seine Leistung und sein Engagement! Aber der ehemals gelebte Grundgedanke des Vorstands, alte oder kranke Hunde zu retten, um diesen noch ein schönes Leben zu ermöglichen, trat aufgrund von in letzter Zeit immer jüngeren Hunden weit in den Hintergrund. Es ist die Art und Weise, wie hier dann weiter mit den jungen oder Problemhunden verfahren wird.

Denn auch „manchmal veränderte Geschichten“ sind Lügen!
Und die helfen weder Hund noch Halter.

Die Aussage von zu vielen Vereinen und noch mehr Tierschützern, „ich tue das alles für die Hunde“ bringt den Menschen am anderen Ende der Leine im Zweifelsfall auch nicht weiter, wenn er mit seinem Problem(hund) dann allein gelassen wird. Tierschutz endet nicht mit der Vermittlung eines Hundes …

 

2 Gedanken zu „Gedanken zum Tierschutz“

  1. Schöner Beitrag, der viel Wahres beinhaltet, vor allem der Wahn, auf Tierschutz zu machen und auf Gedeih und Verderben aus dem Ausland einen Hund zu importieren, um ihn hier zu vermitteln.
    Doch was ist mit den hiesigen Hunden? Uninteressant, denn die Hunde im Ausland erzeugen mehr Emotionen.
    Deshalb, erst mal vor der eigenen Tür kehren und um die hiesigen Tiere kümmern. Und noch wichtiger, mit kritischen Stimmen ernsthaft umgehen und vorallem auch mit richtigen Argumenten antworten und nicht pöpbeln oder die beleidigte Leberwurst spielen. Denn die isst man besser 😉

  2. Auch Hunde aus dem Ausland haben das Recht auf ein hundgerechtes Leben. Aber es geht um die Vorbereitung darauf! Wenn man einen Hund holt, dann muss dieser soweit „vorbereitet“ werden, dass ich ihn ruhigen Gewissens an einen Interessenten abgeben kann und nicht einen Problemhund durchreiche.

    Es gibt Vereine, die machen ehrliche Aussagen zu ihren Tieren und der zukünftige Halter weiß was auf ihn zukommt, wenn er sich für diesen einen Hund interessiert. Es ist die Ehrlichkeit, die den Unterschied macht. Und kein Halter darf dann mit seinem Hund allein gelassen werden.

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