„Ich muss mal kurz was nachschauen …“

Otti wird nach nicht einmal einer Woche ohne Leine mutig. So mutig, dass er gestern Andrea im Wald nach dem Ableinen einfach stehen ließ, um sich mit zwei Artgenossen näher zu unterhalten. Mit mir zieht er heute die gleiche Nummer ab. In den Feldern entdeckt Otti in gut 50 Metern Entfernung einen Jogger nebst daneben trabenden Labbi. Also Attacke, ich bin dann mal weg. Auf mein Rufen bleibt er kurz stehen, dreht sich um, zeigt mir den Ausgestreckten und ist auf und davon.

Glücklicherweise sehen der Jogger und sein Hund das alles ganz gelassen. Kurze Verständigung über jetzt 60 Meter Rufweite, dass sie Otti einfach ignorieren und weiterlaufen sollen. Verfolgung wäre ohnehin witzlos. Also gehe ich einigermaßen wütend und frustriert weiter meines Weges. Otti ist abgehauen, nicht ich, also soll er doch sehen, wie er mich oder den Weg nach Hause findet. Trotzdem schaue ich mich irgendwann nach einer gefühlten Ewigkeit um, weil niemand mehr hinter Büschen und Bäumen zu erkennen ist. Kein Jogger, kein Labbi, kein Otti. Doch dann entdecke ich einen winzig kleinen Punkt am Horizont, der schnell größer wird. Otti kommt über das Feld gefegt und erreicht mich kurz darauf. Ha, hast du doch die Hosen voll, Hund? Aber von wegen Schreck, der sagt freundlich „Hallo, da bin ich wieder, aber ich muss gleich weiter“, dreht sich um und verschwindet wieder in irgendwelchen Sträuchern. Mein Rufen und ich werden konsequent ignoriert.

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So nicht, Köter! Hund eingefangen, Leine dran und den Rest des Weges im bei-Fuß-laufen. Kein Schnuppern mehr, kein Aus-der-Reihe-tanzen, Entfernung maximal 50 Zentimeter links meines Schuhs. Wir beginnen also von vorn. Zum Glück ist am Dienstag ein ganztätiger Lehrgang in der Hundeschule mit nur insgesamt 15 Leuten und ihren Hunden. Da werden alle Fragen rund um den eigenen Hund bis zur Erschöpfung geklärt. Ich will wissen, warum Otti nun so mutig wird, wie ich sein Wachhund-Image an der Wohnungstür abstelle, wie ich verhindere, dass er willkürlich mal den einen, mal den anderen Nachbarn oder Passanten anbellt und wie ich sein inzwischen Überhand nehmendes Geknabber an Gegenständen unterbinde? Ich darf mir jetzt nämlich ein paar neue und nicht wirklich preiswerte Einlegesohlen für meine wahnsinnig teuren Northwave MTB-Schuhe kaufen. Danke, Hund!

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