Otti nimmt ein Freibad

Kira wird am frühen Morgen zur Urlaubsreise nach Ostfriesland bei Oma und Opa abgeliefert. Da der Tiergarten nur einen Katzensprung entfernt ist, gehen wir mit Otti eine große Runde. Kaum da, erblickt der Hund in kurzer Entfernung ein am Boden sitzendes Eichhörnchen und erstarrt. Mich durchzuckt einen kurzen Moment der hinterhältige Gedanke, die Leine loszulassen und zu schauen, was passiert. Ich beherrsche mich dann aber doch. Kurz darauf verzieht sich der Nager auf einen Baum. Glück für dich, Puschelschwanz!

Zu so früher Stunde trifft man im Tiergarten nur Jogger, Spätheimkehrer und Hundebesitzer. Wir treffen auf einen jungen Labbi samt Halter. Beide Hunde verstehen sich auf Anhieb und ich stelle fest, dass auch eine 30 Meter Schleppleine zu kurz wäre, damit Otti mit dem Labbi ausgelassen tollen könnte, ohne sich am Ende an straffgespannter Leine zu überschlagen. Die Hunde haben einen enormen Wirkungskreis. Der nette Labbi-Besitzer versichert, dass sich sein Hund in jeder Situation abrufen lässt und auch sofort kommt. Nachdem das bei einem Test funktioniert, lasse ich mit einem gewaltigen Kloß im Hals mehr wider- als freiwillig meine Leine los. Wenn Otti jetzt Fernsengeld gibt, dürfen wir Tasso testen.

Aber vorerst geht alles gut. Beide Hunde toben im Höchsttempo über die Wiese, welches noch einmal verschärft wird, als ich das Zerrspielzeug in den Ring werfe. Nur irgendwann wird es scheinbar auch dem verspieltesten Labrador langweilig. Das Spielzeug wird fallengelassen, der Hund dreht sich um und verschwindet hinter einer Reihe von Büschen. Otti trottelt ihm brav hinterher. Weder Labbi noch Otti reagieren auf Rufe, die Hunde sind weg! Mir fällt sämtliche Farbe aus dem Gesicht und mir wird mulmig. Völlig abgebrüht hingegen Herr Labbi-Besitzer und meine bessere Hälfte. Da hinterherrennen ohnehin witzlos wäre, machen sich beide dennoch gemessenen Schrittes Richtung Gebüsch auf, hinter dem die Hunde verschwunden sind.

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„Da hinten ist ein Tümpel, ich denke, mein Hund ist nur kurz baden.“ Aha! Ich weiß nicht, was der Satz bewirken soll, aber beruhigen tut er mich nicht. Baden die Hunde jetzt gemeinsam? Ist Otti durchgestartet und sucht noch einmal den Eichhörnchen-Snack? Hat er einen weiteren leinen- und herrenlosen Spielkameraden gefunden? Aus mulmig wird panisch, bis wir das eklig algengrüne Gewässer erreichen. Der Labbi badet und Otti steht am Rand und tobt herum. Nachdem Andrea endlich das Ende der Leine wieder in Händen hält, beruhigt sich mein Herzschlag. Und nun geht Otti zweimal baden. Das erste Mal freiwillig, weil er mutig dem Labbi folgt, das zweite Mal unfreiwillig, weil sich die Leine spannt, Otti sich überschlägt und ins Wasser fällt. Es dauert ewig, bis alle Algen, Frösche und sonstigen Rückstände aus dem Hund entfernt sind.

Noch länger wird es wohl leider dauern, bis Otti auch kommt, wenn man ihn ruft. Hundeplatz und freie Wildbahn unter größtmöglicher Ablenkung unterscheiden sich leider beträchlich voneinander.

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