Rezension: Hundetraining mit Martin Rütter

Bücher beschreiben die Theorie, Hunde sind Realität. Diese beiden grundlegenden Dinge übereinander zu bekommen, ist kaum möglich. Bei allen Trainingsbüchern über Hunde handelt es sich um den Versuch in der Theorie das abzubilden, was in der Praxis erarbeitet werden soll. Das funktioniert bei Koch- oder Computerbüchern hervorragend, denn das zu „verarbeitende“ Material Mohrrübe, Kartoffel, Soft- oder Hardware ist nicht lebendig. Einen theoretischen Trainingsplan auf eine lebendige und eigenständige Persönlichkeit, nämlich einen Hund anzuwenden, ist in zu vielen Fällen zum Scheitern verurteilt, wenn man nicht parallel dazu auch immer einen erfahrenen Trainer oder Menschen an seiner Seite hat.

Ich lese von Nowak, über Millan, Riepe und unzähligen anderen alles, was mir zum Thema Hund in die Hände fällt. Dennoch bin ich (als nun nicht mehr Anfänger) mit meinem Jagdterrier-Mix immer noch wöchentlich in der Hundeschule und wende seit der ersten Trainingsstunde das Erlernte auch beim täglichen Gassigehen an. So ist in etwas über einem Jahr aus meinem nervösen, hyperaktiven und ängstlichen Tierheimnervenbündel ein Hund geworden, den ich überall hin mitnehmen kann, der sich bis auf das gelegentliche, unerlaubte Entfernen in Richtung anderer Hunde einwandfrei verhält und – das ist das Wichtigste von allem – der mir vertraut und dem ich vertraue. Aber dieses Vertrauen muss täglich geübt und vertieft werden. Da kann auch das Buch Hundetraining von Martin Rütter hilfreich sein, es ersetzt aber nicht die Kontinuität in den praktischen Übungen. Wer als Anfänger keine Hundeschule besucht, den bringt auch ein Buch eines durch TV bekannten Hundetrainers nicht weiter.

Die Übungen an sich sind ausführlich, manchmal ausschweifend beschrieben. Das Problem ist, dass nicht jeder Hund gleich reagiert, sondern dass alle Hunde Individuen sind. Ein Buch – und sei es noch so gut beschrieben – weist den Halter nicht auf Fehler im Timing, bei der Körpersprache oder in der Kommunikation mit seinem Hund hin. Man bekommt kein Feedback, warum der Hund die theoretisch so simpel beschriebene Übung in der Praxis nicht packt. Versteht er sie einfach nicht? Wird sie nicht hundgerecht vermittelt? Gründe können so zahlreich sein.

Das Buch von Martin Rütter kann nur eine Ergänzung zum regelmäßigen Gang in eine gute Hundeschule sein. Es ersetzt keinen echten Trainer!

gut

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