Wenn Viere eine Reise tun …

Osterferien werden vom pubertierenden Nachwuchs mit allerlei Terminen verplant. Wenn die greisen Alten dann einen Strich durch die Rechnung machen, ist Stress vorprogrammiert. Man kann aber aus den vereitelten Plänen auch eine Überraschung machen, eine Reise planen und den Nachwuchs nebst Hunden einfach ins Auto packen und losfahren.

So geschehen bei uns: Reise geplant, des Nachwuchs Termine abgeblasen, selbigen am Montag vom Geburtstag abgeholt und ab in Richtung Bayern. In Planung war Camping am Rande der Deutschen Alpenstraße vom Königssee zum Bodensee, von da zu Lars nach Saarbrücken und dann nach Hause. Geplant & Camping … wenn das Wetter mitspielt. Hat es aber nicht.

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Montag:

Anreise am Königssee, leider ist es schon dunkel, der einzige Campingplatz hat geschlossen und Hunde mag man hier auch nicht. Außerdem ist es kalt, es regnet und Sturm Niklas klopft bereits unfreundlich an den Bus. Alle Pensionen haben zwar freie Zimmer, nehmen aber keine Hunde auf, also testen wir die neue Hotelkette explorer. Hunde erwünscht, nette Mitarbeiter, tolles Zimmer und ein Preis im Normalbereich – passt! Ungewöhnlich nur, dass man sich die Frühstückseier nach eigenem Härtegrad selber kochen kann und auch seinen Frühstücksspeck selbst brät … wenigstens muss man danach den Herd nicht selber reinigen.

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Dienstag:

Kira lernt Karten- und Roadbook lesen, weil das Navi sich selbstständig macht. Aber durch das Verfahren auf unbekannten Landstraßen landen wir bei sommerlichen 18 Grad am Hintersee. Mensch und Tier haben Spaß und hoffen auf weiterhin schönes Wetter. Minuten später hat es sich ausgehofft, denn der Sturm läuft zur Höchstform auf, Temperatursturz auf knapp 1 Grad. Wegen Neuschnee gesperrte Pässe, umgeknickte Bäume und verirrte englischsprachige Touristen, die uns fragen, ob die Nebenstraße am Walchensee hier aufgrund des Sturms sicher sei, lassen uns in einem Örtchen namens Wallgau eine Unterkunft suchen. Sind nur vier umgeknickte Bäume auf den letzten 10 Kilometern, die die Straße fast unpassierbar machen, etwa ein Unsicherheitsfaktor? Wieder nichts mit Camping.

 

Auch hier mögen Pensionen keine Hunde, dafür aber das Hotel Alpenhof Wallgau. Problem nur, dass das Signal des Kochs für fertige Speisen Diesel dazu veranlasst, aus dem Speisesaal in die Küche zu rasen – mit dem korrigierenden Otti im Schlepptau. Folge: Ein wegen des um Futter bettelnden Bullis erstarrter Koch, der sich nicht einmal traut, das jetzt überknusprige Schnitzel in der Pfanne zu wenden. Es folgt ein berechtigter Anpfiff – nicht für die Hunde, sondern für mich von der Chefin des Hauses persönlich. Verschüchtert und demütig trollen wir uns nach dem Essen ins Zimmer.

Mittwoch:

Das seltsam gedämpfte Licht, das durch den Spalt zwischen den Vorhängen fällt, verheißt nichts Gutes. Bingo, es schneit. Und zwar nicht nur ein paar Krümel, sondern richtig fette Flocken, Tendenz stark zunehmend. Von den am Vorabend noch sichtbaren Bergen sind nicht einmal mehr Schemen erkennbar. Mit gemäßigtem Tempo schleichen wir nach dem Frühstück weiter Richtung Bodensee. Und nur die Harten kommen in den Garten, allem Schnee zum Trotz wird zumindest der Campingkocher für Kaffee und Suppe angeworfen. Ja, man hätte auch irgendwo einen Kaffee trinken gehen können, aber so macht`s mehr Spaß. Diesel weigert sich mit aller Kraft, bei diesem Wetter die Box zu verlassen.

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In Lindau angekommen finden wir keine Unterkunft. Der Schnee ist hier schon wieder weg, dafür sind die Oster-Touristen da. Andrea besorgt uns über das I-Net ein Zimmer im Hotel Seerose, weil wir nichts finden. Riesiges und preiswertes Zimmer im Keller, gefliest mit dem Charme eines altrömischen Badehauses, können die Hunde hier Scheibe spielen, ohne andere Gäste zu stören. Abends im griechischen Restaurant ist Diesel der Star bei koreanischen Touristen und wird auf zahlreichen Fotos verewigt. Sein Bild prangt jetzt sicher in einigen asiatischen Kochbüchern – süß-sauer überbackener Bullterrier in Koriandersoße …

Donnerstag bis Ostermontag:

Bodensee umrunden, von Lindau nach Konstanz, in der Schweiz verfahren, zurück auf die richtige Piste und auf direktem Weg ab nach Saarbrücken zu Lars. Aus direkt wird indirekt, weil jetzt das Navi ganze Arbeit leistet und uns von einem Stauende ins nächste lotst – 2 Stunden mehr stehen auf dem Fahrplan.

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Otti & Diesel genießen ab sofort Lars` Zuneigung in Form von Wiener Würstchen, ich genieße Bierchen und Kira zockt uns alle bis in die Nacht bei Mario Kart ab. Allerdings bin ich etwas enttäuscht, weil Diesel fremdgeht – die Nächte werden lieber bei Lars auf dem Sofa verbracht und auch ansonsten weicht der Bulli dem Saarländer nicht von der Seite.

Man kann eine Woche Urlaub auch langweiliger verbringen …

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