Winterschlaf beendet … alles raus aus dem Loch

Hunde, überall Hunde. Kaum schmilzt der Schnee, trauen sich wieder alle vor die Tür. Im Wald und auf den Feldern treffen wir Leute, die wir seit Wochen, ach was, Monaten nicht mehr gesehen haben. Entweder halten deren Hunde Winterschlaf oder die Halter besitzen keine dicken Socken? Seit letzten Dienstag ist kein Tag vergangen, an dem sich Otti nicht mehrfach aus dem Staub gemacht hätte, um alte und neue Kumpels zu begrüßen.

Dienstag – Wald

Nachdem Otti sich an einen Schäferhund ranmacht, der ihn zwar freundlich begrüßt aber ansonsten ignoriert, sind die drei mächtig gepimpten Whippets dann doch spannender – modelmaßige Designerhunde mit breitem Designerlederhalsband und Designerfrauchen. Gesticktes goldenes Whippet-Züchter-Logo auf schwarzem Shirt, die optimale Kleidung, um seine Hunde im Wald auszuführen. Germanys Next Topmodels im Doggy-Style. Otti und ich kommen uns schäbig vor. Struppige Promenadenmischung und ich im Wir-gehen-im-Wald-Gassi-Outfit. Dreckige Schuhe, ranzige Jeans und Wollmütze, aber optimal um abseits des Weges mit dem Hund Eichhörnchen zu jagen.

Nachdem mit Hakenschlagen auf freiem Feld Whippets verscheißert werden, trifft man nebenbei noch einen Pudel, einen Yorkshire und eine französische Bulldogge, um nach dem traumatischen Erlebnis im Stall >>> noch ein Pferd zu verbellen. Whippet-Designer-Frauchen ist aber wider Erwarten nett, auch wenn wir in allen Einzelheiten über die Vorzüge der hörbaren Hundepfeife aufgeklärt werden. Ein Pfiff und alle drei vor Kälte zitternden Hunde holen sich bei Frauchen ein Diät-Leckerli ab. Ich zeige ihr, dass Otti ohne Pfeife und Süßigkeit in den Huckepack hüpft, woraufhin Designer-Frauchen vor Freude von einem Bein auf das andere durch den Wald tanzt und Fotos schießt. Designer-Rumpelstilzchen.

Mittwoch – Feld

Labrador, Dobermann-Welpi, französische Bulldogge, Schnauzer, Dackel-Rottweiler Mischling, Retriever, Berner-Kumpel Tobi, American Pitbull mit beindickem Ast in den gewaltigen Kiefern … bis hierhin war es einfach. Kompliziert wurde es an der Ecke, als Freund Wulli der Hütehund >>> mit Laura-Labbi tollte und sich im 2-Minuten-Takt neben Otti diverse andere Hunde dazu gesellten. Otti außer sich vor Freude, so viele Hunde und fast alle nett. Stillhalten, ich muss dir mal die Nase ins Gemächt rammen. Ausgelassene Hundestimmung bis zu dem Moment, als sich unsere Wege nach einem freundlichen, länger anhaltendem Hundehalter-Schwätzchen dann doch trennen sollten.

Wulli

Otti hatte keine Lust zu gehen, Wulli bespaßen ist einfach spannender. Vor allem, wenn gelegentlich aus dem Fellknäuel mal wieder eine Hundenase auftaucht und man wieder Luft holen kann. Eintauchen und sich in Wulli wohlfühlen. Der Spaß hatte ein jähes Ende, als der Hund mich nicht mehr wiederfand. Verstecken spielen kann sooo schön sein. Erst als Otti 100 Meter in die eine und weitere 100 Meter in die andere Richtung rannte, um dann erbärmlich zu heulen, rief ich ihn wieder. Wiedersehensfreude ist auch schön.

Donnerstag – Stadt

Trotz diverser Hundetreffen ein erzwungen ereignisloser Spaziergang an der Leine – bis zu unserer Rückkehr. Wir treffen auf Bonnie, die freundliche Hundedame inklusive ebenso freundlicher Nachbarin. Es gibt Situationen, da wird aus einem kurzen höflichen Gruß ein ausführliches Gespräch angefangen beim Wetter, über Bundesliga, Fernsehprogramm und Schuhmode, bis hin zur politischen Lage in Turkmenistan. Nämlich dann, wenn sich zwei Hunde lieben und sich nur unter Einsatz roher Kräfte wieder voneinander trennen ließen. Aber so eine Stunde Stillstand im Sonnenschein mit der Begrüßung vieler weiterer Nachbarn hat auch etwas. Man betreibt Nachbarschaftspflege, intensiviert soziale Kontakte und die Hunde haben Spaß … Hundehalter sind kontaktfreudig, besonders wenn der eigene Hund grundlos Nachbarn anbellt.

Bonnie

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